Rückblick Theatersommer
Theater- Nachlese 2025
Und wieder ist ein Theatersommer verflogen.
Folgt man dem Kommentar eines Gastes, der Reich-Ranicki zitiert: `Der Vorhang zu und alle Fragen offen´, dann vielleicht nicht ohne einen kleinen Nachhall beim Publikum. Zahlreiche Theaterbesuchende sprachen davon, dass das Stück die Frage nach dem eigenen Umgang mit der Wahrheit ausgelöst habe. Eine Reaktion, die man sich als Autor und Ensemble nur wünschen kann; hat man beim Schreiben, Proben und der detaillierten Umsetzung viel Herzblut investiert, um dem Publikum in jeder Aufführung alles zu geben. Und dabei hatte es der Autor Nathanel Barthol dem Ensemble nicht leicht gemacht, hatte er doch das Stück auf drei Spielebenen angelegt, die von den jeweiligen Darstellenden nicht nur als verschiedene Personen er-spielt werden mussten, sondern auch einen blitzartigen Wechsel in Sprache, Gestik und Gehabe der jeweils anderen Figur verlangte.
Katja Nüchter konnte die intrigante Kimberly des Verlages gekonnt in die scheinbar sanftmütige Rolle der Prinzessin Clara überführen und entpuppte sich hinter der Bühne als kaltschnäuzig im Zickenkrieg der Kollegin-nen; Andreas Gamisch als Verlagsleiter war ihr ein ebenbürtiger Partner im Kampf um die Leitung des Verlags; einerseits bestimmt durch einen deutlich Machtdrang, andererseits aber immer wieder auch durch Skrupel befangen. Beiden gelang es, die Zuschauer in einer Art emotionalen Wellenbewegung mitzunehmen. Dabei stießen die beiden Aufstrebenden immer wieder auf die Kontrolle und den Widerstand der Verlegergattin Marianna – verkörpert durch Katrin von Studnitz-Ciba, die auf den Punkt die Rollen der grauen Eminenz und der Königin Eleonore anlegte. Der in die Jahre gekommen Verleger Hubert Herrhausen und König Hugo wurden von Peter-M. Auth gegeben; der in der Rolle des angetrunkenen- nach Wahrheit suchenden Bruders Wal-ter zu beeindrucken wusste. Das in sich schon instabile Wahrheitsgebäude wurde durch Martine, die aus dem Haupthaus in Marseille geschickt worden war, weiter instabilsiert. Javaria Haas-Tariq gelang es, das Publikum mit ihrer differenzierten Mimik und Sprechfertigkeit zu beeindrucken. Besonderen Eindruck hinterließ auch Nuriyah Tariq, die in so jungen Jahren bereits so situationsgerecht und emotional differenziert aufzutre-ten weiß. Eine hervorzuhebende Leistung erbracht Tobias Haas-Tariq, der nicht nur für eine differenzierte Ausleuchtung der Spielszenen sorgte, sondern gleich-zeitig auch als Erzähler und verbale Regieassistenz auftrat und dem Stück damit Struktur gab.
Durch die Verzahnung der drei Ebenen: Backstage, Realebene und märchenhafte Modellebene wurden die Gedankengänge der Zuschauenden im Brecht´schen Sinne mobilisiert: Im Rahmen des Kammerspiels sollten die Zuschauenden nur bedingt konsumieren, sondern von der Frage nach der Wahrheit angegangen werden.
Wieder einmal sind die Theatertage an sommerlichen Abenden bei einer freundlichen Bewirtung und leckeren Pausenköstlichkeiten im Zelt und im KulturZeitRaum zu Ende gegangen. Und allen , die Hand angelegt haben und vor allem die Speisen zubereitet haben gilt es Dank zu sagen.
Vor allem die zahlreichen angemeldeten Gruppen und die Kartenwünsche über die lokalen und regionalen Grenzen hinaus sowie die notwendige Absage von fast Hundert Kartenwünschen zeigen, dass sich der Theater-sommer auf dem Florenberg längst etabliert hat.
Und so freut sich der Förderverein und das Ensemble Bartholomä auf den nächsten Theatersommer 2026 (Start der Kartenvorbestellung :22.Juni, 0,00 Uhr unter [email protected])