Die Nachtwächterführung auf dem Florenberg

Am 14. September fand auf dem Florenberg eine Nachtwächterführung statt. Singend begrüßte der Nachtwächter (Peter-Michael Auth) mit sonorer Stimme sein vor dem Backhaus wartendes Publikum: 

      `Hört ihr Leut und lasst euch sagen, die Uhr hat halbe Acht geschlagen,
            wie gut hier oben euch zu sehen, so muss ich nicht alleine gehen.
           Genau zu dieser halben Stunde dreh ich ums Mauerrund die Runde,
         und wollet ihr jetzt mit mir gehen, so wird´s teils schaurig, teils schön.´

In der hereinbrechenden Dunkelheit bestaunte man zunächst den Kultstein, der sich erst erschließt, wenn man Hilfestellung für die Betrachtung erhält: Einen Faunus zeigt die Darstellung, halb Mensch, halb Tier mit einer Gugel auf dem Kopf und einer Sackpfeife, deren Grundpfeifen und Spielflöten deutlich sichtbar sind. Der Faun galt als Waldgeist und Beschützer des Waldes und der Äcker, aber auch der Hirten und Bauern. Und so ist die Verehrung, die ihm wohl in vorchrist-licher Zeit  zugekommen, leicht nachzuvollziehen.
Der Weg führte die Gruppe die Straße hinab Richtung Engelhelms.
Der Nachtwächter beschwichtigte die Zuhörenden, dass das Knacken und 
Knistern aus dem Wald wohl nur Hase und Reh seien und nicht die Magyaren, die um das Jahr 915 den Florenberg erstürmt hätten. Die Mauer um die Kirche im Süden sei ein starkes Bollwerk gegen die heraufstürmenden Ungarn.
Hinter der hohen Mauer zeigte sich die Kirche fast wie geborgen und der Nachtwächter konnte von den unterschiedlichen Bauten in vier Jahrhunderten berichten. Dabei verwies er auf den massiven Turm, der wohl schon seit dem zweiten Bau Bollwerk gegen das Böse gewesen ist; der mittelalterliche Mensch glaubte, dass des Nachts aus Westen böse Geister aufstiegen, um christliche Orte zu besetzen. An diesem Abend waren es jedoch nur kleine Sumpffleder-mäuse,die  die Gruppe umflatterten.
Wie im 19.Jh. noch üblich zog der Nachtwächter beim Vorbeschreiten an einem Holunder den Hut und alle Gäste dachten: `Holla, die Waldfee, was macht der denn!´ `Vorm Holunder Hut herunter´, hieß in früheren Jahrhunderten eine Aufforderung. Der Holunder ist nicht nur ein Kulturfolger, der über alle Pflanzenteile zur menschlichen Gesundheit beitragen kann, sondern ist in der Vorstellungswelt der Menschen früherer Jahrhunderte auch Sitz der Jahreszeiten-und Fruchtbarkeitsgöttin Holla, die uns im Märchen von Frau Holle begegnet.
Besonderen Raum gab der Nachtwächter einer historischen Begebenheit, nach der der Schmied Blösser aus Keulos beim Wildern im Kirchwald den Waldhüter Maul aus Künzell zu Tode gebracht hatte. Dazu sang der Nachtwächter die Moritat von der letzten Hinrichtung in Fulda, die auf dem Florenberg ihren Anfang genommen und ihr Ende am Rabenstein in Lehnerz gefunden hatte.
Besonders berührt waren die Gäste beim Eintreten in die dunkle Kirche, die wie in früheren Jahrhunderten nur mit Dutzenden Kerzen erleuchtet war.
Nach Erklärungen zum Patronat der Kirche unddem aus Bischofsheim in der Rhön stammendenBild `Der Märtyrertod des Kilian´ wandte sich der Nachtwächter dem einzigartigen Taufstein und seiner Symbolik zu und erzählte die Geschichte von den Raubrittern von der Ebersburg, die der Florenbergkirche diesen Stein zum Geschenk gemacht hatten. Hatten Mitglieder des Geschlechts doch in früheren Tagen den Abt Bertho II am Altar getötet und waren selbst einen qualvollen Tod durch das Rädern in Frankfurt gestorben.

`Hört ihr Leut und lasst euch sagen, was immer auch die Uhr geschlagen,
 für euch soll´s schön gewesen sein, jetzt macht euch fort, macht euch jetzt   
 heim!´
Sichtlich über die vielen Informationen erstaunt und zufrieden verabschiedeten die Teilnehmenden den Nachtwächter mit großem Applaus. Wie immer boten Mitglieder des Fördervereins die Möglichkeit. in gemütlicher Runde das eine oder andere Getränk zu sich zu nehmen.